Young-Sup Kim
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Young-Sup Kim [ROK] Koexistenz 2006 Klang und Gefäße aus Kabeln.
Klanginstallation. laboratorium
Allianzgebäude am Ostbahnhof. Lautsprecher + weiße Lautsprecherkabel + fünf-Kanal-Komposition :9′30 geloopt Klasse Christina Kubisch Saarbrücken
Koexistenz 2006, Vasen aus weißem Lautsprecherkabel, © Young-Sup Kim
Die Bedeutung oder der Wert von Etwas bleibt nicht immer konstant, neue Bedeutungen und Werte entstehen; die Ursprünglichen gehen jedoch nicht verloren. In meiner Arbeit Koexistenz beziehe ich mich auf die Alltagskultur meines Heimatlandes. Ich thematisiere die Umformung alter Volkskünste, die heute, entfernt von ihrem Ausgangsort, nur noch als Bühnenkünste oder im Museum weiterleben. Die Objekte aus weißem Lautsprecherkabel nehmen den Formenkanon traditioneller koreanischer Keramik auf. In der Vergangenheit waren diese Gefäße wichtige und typische Gebrauchsgegenstände im Haushalt. Das ganze häusliche Leben hing von ihnen ab: von der Vorratshaltung, dem Bereiten der Speisen, dem Zubereiten von Tee bis hin zum Transport. Heute haben neue Gerätschaften diese Funktionen übernommen. Die ursprünglichen Objekte dienen keinem praktischen Zweck mehr, sondern sind als kunsthandwerkliche Artefakte Teil musealer Sammlungen geworden.
Ähnlich verhält es sich mit der Entwicklung der traditionellen koreanischen Perkussionsmusik. Vom lebensnahen Status der Volksmusik, die bei Festen wie Hochzeiten, Geburtstagen oder auch bei der Arbeit auf dem Feld gespielt wurde, entwickelte sie sich zur reinen Kunstmusik. Heute ist sie fast ausschließlich konzertant in Aufführungen auf der Bühne zu hören. Ich folge dieser Wandlung der Alltagsdingwelt zur Kunstform in der Auswahl meiner Materialien. Die Gefäßobjekte sind aus einem Alltagsmaterial: weißem Lautsprecherkabeln geformt. Über diese Stränge leite ich die elektroakustischen Signale einer von mir entwickelten Klangkomposition zu Lautsprechern im Innern der keramischen Formen. Die verwendeten Klänge entstammen unserer heutigen Lebenswelt – unserem akustischen Alltag. Ich verwende das Tröpfeln einer Kaffeemaschine, das Blubbern und Zischen in den Töpfen beim Kochen, das Brummen des Kühlschranks, das rhythmische Schlagen der Waschmaschine und andere Geräusche der direkten Lebensumwelt, alles Klänge, die in direktem Bezug zu der ursprünglichen Funktion der Keramiken stehen. In der Klangkomposition werden sie nach Kompositionsgesetzen der traditionellen koreanischen Perkussionsmusik geordnet. Der Rhythmus und die kompositorischen Verdichtungen entsprechen den großen Bögen der traditionellen koreanischen Schlagmusik. Dadurch erhalten die zur Kunst gewordenen Objekte der häuslichen Alltagskultur auf klangkünstlerischer Ebene ihren praktischen Verwendungszweck zurück.
Young-Sup Kim, geboren 1972 in Dang-Jin/Sükorea, lebt und arbeitet in Saarbrücken. Klanginstallation und Komposition.
1990—2000 Studium der Bildenden Kunst an der Sea-Jong Universität in Seoul, Diplom. Seit 2002 Studium Audiovisuelle Kunst an der HBK Saar bei Prof. Christina Kubisch. 2003 Einzelausstellung Gehaltene Klänge bei tage für neue musik, Akademie für Tonkunst Darmstadt und 2004 Blaue Grotte am Münchhof Hochspeyer.
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